TALIBAM statt DAHAM - zackzack.at
Die Kronen Zeitung geht in Österreich auf ihre Feinde los. Im Ausland aber hat sie reizende Politiker gefunden: die Taliban. Im Bericht eines Reisenden heißt es, er habe sich in Afghanistan „sicherer als daheim“ gefühlt, während er „in Europa Todesangst hatte“.
Man kann nur hoffen, dass die Wirklichkeit es nicht wagt, sich mit der Berichterstattung in österreichischen Medien anzulegen. Denn sie würde dabei eine desaströse Niederlage einfahren. Es ist eben so, dass in Österreich mehrheitlich keine Zeitungen gelesen werden, sondern kleine Zeitungen, die es sich zum Verdienst machen, die Wirklichkeit nicht abzubilden, sondern zu erzeugen. Nicht umsonst forderte H. C. Strache einmal dazu auf, die Kronen Zeitung zu kaufen – meint damit aber nicht eine Ausgabe der Kronen Zeitung, sondern das gesamte Medienhaus selbst.
Mehrmals gescheitert ist die Krone an ihrem besonderen Feindbild, Vize-Kanzler und SPÖ-Chef Babler, dessen Nachfolger sie bei den Kampagnen gegen ihn bereits ernannten, sowie mit der perfiden Taktik, durch bloße Behauptung zu verbreiten, es existierten in der Parteizentrale bereits Plakatsujets des neuen Vorsitzenden. Überhaupt beschäftigt der SPÖ-Vorsitz die Krone in unproportionalem Übermaß. In der klinischen Psychologie würde man von wahnhafter Fixierung sprechen.
Rauch erzeugen
Babler ist allerdings nicht die erste und einzige Person, die von den Dichand-Medien zur Jagd durch ständige Ad-Hominem-Attacken freigegeben wurde. Caspar Einem etwa war ein Minister, der ebensolchen Attacken ausgesetzt war. Sie alle zeichnen sich bei der Krone seit Jahrzehnten dadurch aus, dass erstens das Ernennen des Feindes irreversibel ist; dass zweitens alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über den Feind schreiben, negativ über ihn schreiben (es also keine Meinungsvielfalt innerhalb des Blattes gibt); und dass man sich drittens durch die unkritische Übernahme falscher Berichterstattung in anderen Medien darin bestätigt fühlt, dass die Unwahrheit, die man selbst verbreitet hat, die Wahrheit ist. Wo Rauch ist, ist auch Feuer, heißt es dann. Also muss man nur Rauch erzeugen.
Wolf Martin, der Reimschuster der Krone, der einst aus den Attacken des Blattes Poesie zu schmieden versuchte, verdichtete das Menschenhatz-Prinzip in seinen Versen. Er schrieb im Jahr 1998 in seiner Reihe In den Wind gereimt:
Krieg und Folter verharmlosen
Wir leben in Zeiten, in denen man die Gefährlichkeit der Maschine wieder in den Vordergrund rückt, KI zum Grundübel aller Dinge erklärt und den von ihr geführten dritten Weltkrieg herbeiredet. Als die ersten personal computer bei uns in die Haushalte kamen, war es nicht anders. Ich kann mich an diese Zeit und die ständigen Diskussionen und düsteren apokalyptischen Vorhersagen über den Computer und seine kommende Weltherrschaft gut erinnern. Vergessen wird dabei immer das Zutun und die Benutzung des Menschen. Oder es wird eben nicht vergessen, sondern das Schreckgespenst wird bewusst genutzt, um die menschliche Abscheulichkeit, die hinter Kriegen, Folter und Diktatur steckt, zu verdecken.
Denn nicht nur der heutige österreichische Innenminister, sondern rechtsextreme politische Kreise überhaupt, gehen immer weiter dabei, Diktatur und Folter in anderen Ländern zu leugnen oder zu verharmlosen. Das ist auch in der ÖVP nicht neu. Im Jahr 1987 unternahm Fritz König, damals Klubobmann der ÖVP, eine Südafrikareise. Das Land wurde zu dieser Zeit noch von einem strikten Apartheidsregime regiert.
Unter Pieter Botha waren Folter und das Töten von sogenannten Aufständischen an der Tagesordnung. Viele Länder begannen Handelssanktionen zu erlassen. Fritz König aber kam von seiner Reise zurück und sprach sich gegen solche Sanktionen aus. Er erklärte, entgegen allen anderen Darstellungen, die damals vorlagen, dass die Apartheid in Südafrika längst nicht mehr existiere. Manfred Deix zeichnete damals seinen berühmt gewordenen Cartoon, der ebenfalls mit einem Gedicht versehen war. Es beginnt mit den Zeilen: Was dem Mohren geht es schlecht? / Wer so was sagt, ist ungerecht!
Ein bisserl Auspeitschen
Nun hat die Politik des Hätschelns von Diktaturen einen neuen, äußerst stabilen Partner gefunden: die Taliban. Minister Karner empfängt deren Terroristen als Staatsgäste. Während er in Österreich andauernd gegen den Islam wettert, tätschelt er dem islamistisch-fundamentalistischen Terror das Haupt. Mein Gott, das bisserl Terror und Auspeitschen und Frauen-Steinigen wird schon nicht so schlimm sein.
Die Krone muss da vorne mit dabei sein. Am Freitag brachte sie einen Artikel über den „Extremreisenden“ Kevin Köstenbaumer aus Vorarlberg. Er hat auch Afghanistan besucht und – während er „in Europa Todesangst hatte“ – kam er nicht durch langjähriges Studium, sondern schon beim Kurzbesuch zu jener Erkenntnis, die auch der Titel des Krone-Berichts ist: „Bei Taliban fühlte ich mich sicherer als daheim“.
Niemals grundlos aggressiv
Nun also! Fahren wir doch nicht nach Mariazell, wo tägliche Messerstechereien das Gift-Shopping unsicher machen, sondern nach Kabul. Tauschen wir bedrohliche Atmosphäre des Stephansdoms mit einer Moschee und machen wir das Prater-Stadion zu einer Arena, in der Menschen hingerichtet und Frauen gesteinigt werden. Ich bin sicher, dass der Besuch solcher „Spiele“ bei den Menschen das Sicherheitsgefühl enorm steigern wird. Wenn andere sterben und gefoltert werden, muss man schließlich die Relativität der eigenen Probleme einsehen.
Auf einer Reise sind laut dem Krone-Bericht die islamistischen Terroristen die besten Begleiter und vor allem: sie erhöhen durch zahlreiche Checkpoints die Sicherheit:
„Nach der Landung standen plötzlich jene Männer vor ihm, die dort das Sagen haben: bewaffnete Taliban. Der Vorarlberger reiste mit einem einheimischen Guide durch das Land, für bestimmte Regionen benötigte er spezielle Genehmigungen. An zahlreichen Checkpoints wurden diese von Taliban kontrolliert. Aber: „Die Taliban sind mir bei meinen persönlichen Begegnungen freundlich und teilweise sehr interessiert begegnet“, erzählt er. Bedroht oder grundlos aggressiv behandelt worden sei er nicht.“
Vermutlich soll das heißen, dass das Hinrichten von Regimegegnern und Misshandeln von Frauen dort immer „begründet aggressiv“ vor sich geht.
Was sie immer vergessen
Die Krone ist auf dem Weg, der FPÖ den Rang als wichtigste rechtsextreme Kraft in diesem Land abzulaufen. Schwenkt die FPÖ auf diese Linie ein, dann werden wir im nächsten Wahlkampf vielleicht Plakate mit Sprüchen wie TALIBAM STATT DAHAM sehen. Der Kampf gegen den politischen Islam wird dennoch mit immer bitterer Härte geführt werden, aber nur im höchst unsicheren Inland.
Dass eine sogenannte Zeitung, die solche Berichte bringt, überhaupt staatlich gefördert wird, ist nur ein Beleg für die mafiosen Zustände, die sich im jahrzehntelangen Buckeln und Anfüttern von Medien durch die Politik breit gemacht haben. Wehe dem, der wenigstens versucht, hier ein wenig korrigierend einzuschreiten und die Politik in die richtige Richtung zu lenken. Man kann vermutlich nicht verhindern, dass es Zeitungen wie die Krone gibt. Aber Geld sollte sie vom Staat keines bekommen. Null Cent. Und was ihre Macher bei ihren Wahlkampagnen für rechtsextreme Politiker immer vergessen: Wenn diese einmal den Staat so umgebaut haben, wie sie sich das in ihren Träumen vorstellen, dann werden sie die Krone nicht mehr brauchen und sie wird bedeutungslos werden.
Titelbild: Miriam Moné
Autor
Daniel Wisser ist preisgekrönter Autor von Romanen und Kurzgeschichten. Scharf und genau beschreibt er, wie ein Land das Gleichgewicht verliert.
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